Streifenweise

Kultur | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Pressevorführungen, früh am Tage, mit Köpfen im Bild, haben mitunter auch den Charakter einer Kindervorstellung. Es wird geraschelt, gegessen und geredet, und wenn zum Beispiel der neue "Psycho" gezeigt wird, herrscht auch unter älteren Semestern ein bißchen Kindergeburtstagshysterie. Die echten Kinder gehen natürlich nachmittags ins Kino, wo sie sich in Gesellschaft des einen oder anderen Erziehungsberechtigten zum Beispiel "Die 3 Posträuber" von Andreas Prochaska ansehen. Dabei gewähren untergeschobene Leihkissen zwar freie Sicht, der Film jedoch kein uneingeschränktes Verständnis für Siebenjährige, denen die akustischen Anspielungen auf Italowestern (Mundharmonika) wohl ebenso verschlossen bleiben wie die Stimmungslieder aus dem Off mit den englischen Texten. Insofern haben die Elternteile hörbar mehr Vergnügen an diesem Kinderkrimi nach Christine Nöstlinger, der womöglich weniger ein Kinderfilm als ein fader Film mit Kindern ist.

Dies ist eine Kolumne des heimischen Films, obwohl in "Megacities" von Michael Glawogger natürlich überhaupt kein Österreich vorkommt. "Megacities", gedreht in Mexiko City, Bombay, Moskau und New York, zeigt in sehr genau und sehr schön inszenierten "dokumentarischen" Bilderfolgen individuellen Alltag in Armut und Elend. Über die Frage, ob man das darf oder nicht, wurde und wird bereits heftig gestritten, und das ist durchaus ein Argument für den Erwerb einer Kinokarte.

Zwei äußerst unterschiedliche Wien-Chroniken kann man der vergleichenden Betrachtung unterziehen: Zunächst Ernst Schmidt jr.s "Wienfilm 1896-1976", ein filmisches Archiv aus Wien-Bildern, -Tönen und -Menschen (Filmcasino, Fr, 15.1., 22 Uhr). Tags darauf wird im Klub der Kinoamateure "Stossek", das Archiv eines Home-Movie-Masters - zwölf Stunden gefilmter Autobiografie aus den Jahren 1968 bis 1986 -, aufgeführt (Neubaugasse 36, Sa, 16.1., ab 19 Uhr).

I. R.


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