Halb so wild

Theater: Warum "Wilder Sommer", Einar Schleefs zweite Inszenierung am Burgtheater, nicht so gut wie das "Sportstück" ist.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Zwei gute Witze habe ich über "Wilder Sommer" gehört. Der erste ist von Roland Koberg, steht am Ende seiner Rezension in der Berliner Zeitung und geht so: "Die Uraufführung steht noch aus." Witzig ist das, weil diese Floskel üblicherweise nur dann zur Anwendung kommt, wenn der Rezensent der Meinung ist, der Regisseur sei dem Stück nicht gerecht geworden - wovon in diesem Fall schon deshalb nicht die Rede sein kann, weil Regisseur Schleef ja seinen eigenen Text inszeniert hat. Außerdem spielt Koberg, wenn ich ihn nicht überinterpretiere, auf Sigrid Löffler an, deren Schleef-Verriß in der Zeit mit demselben Satz geendet hatte - vor einem Jahr, nach der Uraufführung von Elfriede Jelineks "Sportstück".

Wie vor jener Premiere (die nicht zuletzt wegen des Peymann-Schleef-Disputs um die "Sperrstunde" Theatergeschichte machen sollte) hatte es auch diesmal wilde Spekulationen darüber gegeben, ob die Aufführung fünf, sechs oder gar acht Stunden dauern würde. Überraschenderweise war


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