Geheimnis der Nachgeburt

Philosophie: In seinem neuen Projekt entwirft Peter Sloterdijk eine großangelegte spekulative Lehre von den menschlichen Sphären. Zugleich aber besticht sein erster Band durch umfassende kulturhistorische Exkurse und scharfsinnige Gegenwartsdiagnostik.

Kultur | Konrad-Paul Liessmann | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Möglich, daß manchmal erste Sätze schon alles verraten. Peter Sloterdijk beginnt sein großangelegtes Sphärenprojekt mit einer Reminiszenz an Platon. Der hat am Eingang seiner Akademie angeblich eine Inschrift angebracht, der zufolge sich jeder von diesem Ort fernhalten solle, der nicht Geometer sei. Gegenüber der traditionellen Lesart dieser Sentenz nimmt Sloterdijk eine kleine, aber wichtige Verschiebung vor: "ageometretos medeis eisito" - "Keiner, der nichts von Geometrie versteht, trete hier ein", wird in der Regel übersetzt und dazu der Hinweis gegeben, daß Geometrie im Sinne von Mathematik zu verstehen sei.

Aus demjenigen, der den pythagoreisch-platonischen Ideen der reinen Zahlen und Proportionen auf der Spur ist, macht Sloterdijk den Geometer, den Landvermesser, der selbst wiederum einer eklatanten Bedeutungsverschiebung unterzogen wird: "Ein Geometer nämlich, was ist das? - Eine Intelligenz, die aus der Welt der Toten kommt und vage Erinnerungen an den Aufenthalt in einer


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige