Anlegeplatz der Wünsche

Literatur: Mit dem Roman "Auf allen Meeren" liegt das wichtigste erzählerische Werk von Blaise Cendrars erstmals in deutscher Übersetzung vor. Eine gute Gelegenheit, das vitale Werk eines umtriebigen, weit- und vielgereisten Zeugen des 20. Jahrhunderts zu entdecken.

Kultur | Leopold Federmair | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Blaise Cendrars, 1887 als Frederic Louis Sauser in der Westschweiz geboren, gehört - neben Leuten wie Marcel Ayme, Jean Giono oder Paul Claudel - zu jenen Autoren, die vom deutschsprachigen Lesepublikum trotz mehrfacher verlegerischer Initiativen nie so richtig angenommen wurden. Vielleicht sind sie, jeder auf seine Art, zu französisch, zu "welsch" oder, im Falle Cendrars', zu weltbürgerlich, buntscheckig, polymorph - was zur bewußt gelebten Frankophilie bekanntlich nicht im Gegensatz steht.

Der aus einer Kaufmannsfamilie stammende (und sich später selbst mit mäßigem Erfolg in Handelsgeschäften versuchende) Cendrars war seit seiner Kindheit an wechselnde Aufenthaltsorte gewöhnt. Er besuchte die Volksschule in Neapel, ging als 17jähriger nach Sankt Petersburg, reiste nach China und fand seinen Mittelpunkt in Paris, dem "Zentralbahnhof, Anlegeplatz der Wünsche, Kreuzung der Unruhen", wo er als alter Mann sogar seßhaft wurde und 1961 verstarb. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs


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