Aufgeblättert

Kultur | Iris Buchheim | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Eine Frau, die nach einer Hirnblutung die Welt nur noch halb wahrnehmen kann und die fehlende Hälfte nicht einmal vermißt. Ein Mann, der sich nach einem Schlaganfall nicht mehr im Spiegel erkennt. Solche spektakulären Fälle demonstrieren, wie sehr unsere gewöhnliche Selbst- und Weltwahrnehmung an intakte Gehirnfunktionen gebunden ist. Hiervon und vom harten Alltag des Neuropsychologen erzählt "Hirnwelten", ein eigenwilliges Sammelsurium aus wissenschaftlichem Lebenslauf, Erlebnisberichten und allerlei neurophysiologischen Basics. Anschaulich berichtet Reinhard Werth von erschütternden Schicksalen hirngeschädigter Patienten, von seinen aufregenden Erlebnissen und neuropsychologischen Untersuchungen bei Nomaden und Alkoholikern und von seinen Überlegungen zu den "verhängnisvollen Hirnfunktionen" von Gewalttätern. So ungewöhnlich und löblich sein Mitgefühl mit den Patienten ist, so voreilig geraten einige Schlußfolgerungen, die Werth zieht. Von Bedingtheit schließt er auf totale

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