Comandantina Dusilova: Es ging ganz ohne!

Stadtleben | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Damit wir uns richtig verstehen: Ich liebte Weihnachten. Ich liebte diese Spannung, die sich, über den ganzen Advent aufgestaut, in den Tagen vor dem Fest langsam verdichtete. Ich liebte es, fluchenden Maronibratern kleine Kohlestückchen abzukaufen, redseligen Verkäufern sündteuren Tand aus leichtem Metall und schwatzhaften Buchhändlern Baustoff aus bedrucktem Papier. Ich liebte den Saft aus Schneematsch und Kehricht, den Geruch von Busdiesel und Kaufhausluft, und auch die Rempler der Ungeduldigen verachtete ich nicht. Aber ich konnte auch ohne. Ich habe ihn mir heuer verwirklicht. Den Traum von den Weihnachten ohne Weihnachten. Die Geschenkflut glich der Dünung in einem Wasserglas, der Festtagsbraten hatte auf einer Untertasse Platz und die Segenswünsche der Verwandten auf einem Sektor meines Anrufbeantworterbandes. Weihnachten ohne war lecker. Weihnachten ohne hatte Stil, Weihnachten ohne wird mir in Erinnerung bleiben. Als stimmungsvollstes, reibungsfreiestes, billigstes, ja als das netteste Fest seit Comandantinagedenken. Wie Ostern kam es mir vor. Wie Ostern im Dunkeln. Wo dieser süße eiermalende Nager kommt, dieser Osterhase und nicht Claus, die bimmelnde Schnapsnase. Wir freuen uns also bitte gleich jetzt schon auf Ostern. Auf Ostern mit.

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