Strom ohne Mitsprache

Stadtwerke: Seit Anfang dieses Jahres sind die Wiener Stadtwerke eine Holding AG, um am freien Strommarkt, der ab Februar gilt, mitbieten zu können.

Politik | ThomasRottenberg | aus FALTER 03/99 vom 20.01.1999

Es war schon 1989, als der Geschäftsfrau Gerlinde B. auffiel, daß ihre Gasrechnung unmöglich stimmen konnte. Telefonisch reklamierte sie - jahrelang lehnten die Gaswerke jede Überprüfung ab. Erst 1995, nach einer Intervention der Wirtschaftskammer, prüften die Gaswerke sich selbst. Und siehe da, Gerlinde B. hatte tatsächlich zuviel gezahlt: Seit 1988 hatte der Stadtbetrieb der Unternehmerin eine falsche Rechnung zugestellt. Gerlinde B. erhielt das zuviel gezahlte Geld zurück - für die Zeit von 1992 bis 1995. Der Rest sei verjährt, hieß es. Die Geschäftsfrau tat, was man in so einem Fall tut: Sie suchte rechtliche Hilfe bei der Volksanwaltschaft. Siehe da: Vier Wochen später zahlten die Gaswerke - und entschuldigten sich.

Das kommt heute nicht mehr vor. "Leider", bedauert Hanno Pöschl. Allerdings betrauert der liberale Gemeinderat nicht, daß die Stadtwerke heute keine Verrechnungsfehler mehr begehen können, sondern daß beschwerdeführende Bürger wohl kaum mehr Erfolg hätten.


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