Der Traum-Mann

Literatur: Dieser Tage wird Andreas Okopenko mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. Obwohl der 68jährige Romancier und Lyriker zu den großen Autoren der heimischen Nachkriegsliteratur zählt, ist sein verstreutes Werk noch keineswegs hinreichend bekannt.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 03/99 vom 20.01.1999

"Mein Leben ist eine nasse Lunte zu einem herrlichen Dynamitfaß" Andreas Okopenko: Meteoriten Andreas Okopenko gehört nicht zu denen, die sich in den Vordergrund spielen. Es ist fast unmöglich, sich vorzustellen, daß sich der Schriftsteller in Szene setzt, mit großen oder auch nur bedacht gewählten Gesten zu beeindrucken sucht. Und dennoch gibt es etwas an dem freundlich-bescheidenen Mann, das Anspruch auf Aufmerksamkeit erhebt: seine Stimme. Es mangelt dieser Stimme an Volumen, sie ist hell, ja fast hoch zu nennen, aber sobald Okopenko beginnt, zu lesen oder auch nur - mit einer nahezu beamtenhaft obsessiven Präzision - Lage und verkehrstechnische Anbindung seiner Floridsdorfer Wohnung zu erklären, fühlt sich sein Gegenüber durch die wache Aufmerksamkeit, die da mitschwingt und dem alltäglichen kommunikativen Geschlampe und small-talkender Wurschtigkeit entgegentritt, auf sanfte Weise in die Pflicht genommen.

All das sind Wahrnehmungen, die auf der nahezu vollständigen


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