Spielplan

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 03/99 vom 20.01.1999

Der in der Gruppe 80 liebevoll gepflegte poetische Realismus ist meist zu vage, und die dann tatsächlich geleistete Interpretationsarbeit hält den Vergleich mit den gewählten literarischen Vorlagen nicht immer stand. Auf die neue Produktion, Robert Musils 1921 erschienenes Drama "Die Schwärmer", trifft das erfreulicherweise nicht zu. Zwar handelt es sich erneut um ein schwer zugängliches Stück, doch Klaus Fischers zupackende Regie nähert sich dem sperrigen Drama mit bewundernswerter Leichtigkeit - so konzentriert und einheitlich hat man das Ensemble schon lange nicht mehr erlebt (trotzdem herauszuheben: Thomas Kamper und Katrin Thurm). Man trifft den richtigen Ton für Musils erhitzte, sprachgewandte Figuren, die zwischen kaltem Zynismus, alles zersetzendem Skeptizismus und bedingungsloser Euphorie schwanken. Das gewählte Stilmittel - psychologischer Realismus - braucht allerdings seine Zeit, um auch wirklich aufzugehen: Erst nach zwei von vier Stunden wird es richtig gut; vorher versucht man zeitgenössischen Eheboulevard. Der Plot ist Stücken wie Patrick Marbers "Hautnah" in der Tat verwandt: Paare, die sich finden, Paare, die sich verlieren - und nicht müde werden, das, was passiert, auch sofort zu reflektieren. Zu Beginn wirkt die Sprache noch zu fremd und altmodisch für diese zeitgemäße Beiläufigkeit. Erst wenn die schwelenden Beziehungskonflikte explodieren, überzeugt das psychologische Kammerschauspiel.

Auch das Theater in der Josefstadt präsentiert sich mit der Wiederaufnahme von Luc Bondys Festwocheninszenierung der selten gespielten Horvath-Komödie "Figaro läßt sich scheiden" von einer unbekannten Seite. Bondys sprichwörtliche Schwerelosigkeit wird man hier zwar nicht entdecken können, dafür aber ein Stück voller Brüche - und eine Aufführung, die diese Brüche stilistisch nicht glättet, in der man Glanzstücke (Gert Voss' Figaro) neben Scherben findet. Ebenfalls eine günstige Gelegenheit, ein Theater kennenzulernen, das man sonst vielleicht eher meidet.


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