Streifenweise

Kultur | aus FALTER 03/99 vom 20.01.1999

Heute wollen wir die Kolumne einmal lehrreich eröffnen: Das gemeinschaftliche Schulbankdrücken von Mädchen und Buben galt einmal zweifelsfrei als sozialpädagogischer Fortschritt. Inzwischen ist dies nicht mehr unumstritten - zumal Erhebungen offenbar zeigen, daß an rein weiblichen (Elite-)Schulen ausgebildete Frauen eher gerüstet und willens sind, im späteren Leben in Männerdomänen vorzudringen. Was hat das nun mit dem Kino zu tun? "The Strike" - deutscher Titel "Mädchen an die Macht" - von Sarah Kernochan spielt in den sechziger Jahren in einem Mädcheninternat, dem der Zusammenschluß mit einem Knabeninstitut droht. Die reaktionären Interessen hinter dieser vermeintlich günstigen Verbindung werden im Film erstaunlicherweise klar ausgesprochen und Gegenmaßnahmen ergriffen. "The Strike" ist natürlich trotzdem eine Teenager-Komödie mit Soundtrack, Herzschmerz und den üblichen Ingredienzen (Anleitungen zum Schulstangeln, das erste Mal u.ä.) und nicht frei von Einlagen aus der Highschool-Film Klamaukkiste. Verglichen mit anderen US-Produktionen von der Schulfront aber ist "The Strike" (mit Kirsten Dunst, Heather Matarazzo und Lynn Redgrave) durchaus akzeptabel.

Um das Verhältnis der Geschlechter geht es auch in "Hamam" von Ferzan Özpetek. Ein erfolgreicher, verheirateter Innenarchitekt aus Rom erbt ein altes Badehaus in Istanbul. Eher unwillig begibt er sich dorthin, um es möglichst schnell abzustoßen, läßt sich jedoch vom Bad, der Vergangenheit und dem Sohn seiner Gastgeber zum Bleiben verführen. Özpetek erzählt diese Geschichte mehr in Bildern als mit Worten - ohne große Umschweife, in zügigen, aber unaufgeregten Sequenzen, mit Raum für Details. Besuchen Sie diesen Film und auch den langen Kinosamstag, den das Filmreferat der HTU dem "Filmland Kuba" widmet. Gezeigt werden zehn Kurz- und Langfilme, darunter vier, an denen der 1996 verstorbene Regisseur Tomas Gutierrez Alea beteiligt war (am 23.1., ab 15.30 Uhr). I. R.


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