Kunst kurz

Markus Wailand | Kultur | aus FALTER 03/99 vom 20.01.1999

Der Meinl kann gehen In Zeiten, wo Werbeplakatflächen zu selbstverständlichen Kunstpräsentationsorten geworden sind, ist auch der sachverständige Blick auf das weitere Umfeld legitim und notwendig. Sowieso wenn solches geboten wird wie die aktuelle Kampagne der Supermarktkette - oder sollte man sagen: Kolonialwarenhandlung? - Julius Meinl. Der "Mohr", steht dort zu lesen, bleibt. Der "Mohr" ist das Meinl-Logo und hat als solches Geschichte - keine allerdings, auf die man stolz sein könnte. Wenn nun von seiten der Meinl-Firmenleitung und ihrer Kreativabteilung beim Versuch, im globalwirtschaftlichen Verdrängungswettkampf einander konkurrenzierender Konzerne eine eigenständige Identität zu besichern, auf "Errungenschaften" oder "Traditionen" wie den Kolonialismus zurückgegriffen wird; wenn dies noch dazu unter buchstäblich plakativem Einsatz von rassistischen Bildklischees geschieht, hat die betreffende Institution ihre Schuldigkeit getan: Der Meinl kann gehen.

Stadtpläne im Kopf

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