Die Geschichte ist stärker

Zeitgeschichte: Der Berliner Zeithistoriker und Journalist Götz Aly im "Falter"-Gespräch über das "Deutsche" am Holocaust, die österreichische Historikerkommission, die Walser-Debatte und die Diskussion über Holocaust-Mahnmale.

Oliver Hochadel und Klaus Taschwer | Kultur | aus FALTER 03/99 vom 20.01.1999

Was sich am 42. Deutschen Historikertag im vorigen Herbst abspielte, war noch nicht dagewesen. Die zwei größten Hörsäle der Frankfurter Universität waren kaum groß genug, um den Publikumsandrang zu bewältigen. Der Grund: Die Zunft saß über sich selbst zu Gericht. Nach langen Jahrzehnten des Vertuschens wurde nun endlich die Verstrickung der eigenen Fachvertreter in die Verbrechen des NS-Regimes öffentlich diskutiert. Einer der Historiker, der maßgeblich zu dieser Debatte beigetragen hat, ist Götz Aly, 51. Er erneuerte seine Vorwürfe, die Väter der bundesdeutschen Sozialgeschichte seien überzeugte Anhänger des NS-Regimes gewesen. Und all dies in Anwesenheit ihrer Söhne, Neffen und Schüler, die mittlerweile die tonangebenden Gelehrten ihres Faches sind. Aly, dessen Veröffentlichungen über den Holocaust zu den interessantesten der vergangenen Jahre zählen, ist im "Zweitberuf" Redakteur der Berliner Zeitung. Zur Zeit lehrt er als Gastprofessor am Institut für Zeitgeschichte

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