Comandantina Dusilova: Die lieben Postfüchslein

Stadtleben | aus FALTER 03/99 vom 20.01.1999

Als ich noch klein war, ging ich gern auf die Post. An der Hand meiner Mutter, einen Brief in den kleinen Fingern. "Tante Lalla, Hästholmsvägen 23, Stockholm, Schweden" stand in kleinen Buchstaben auf dem Kuvert. Es galt, den Transport für die Epistel zu organisieren und die Gebühr dafür zu entrichten. Briefmarke hieß das stachelige Ding, und lustig war es, daran zu lecken. Daß Briefmarken auch auf Paketen, Post- und Ansichtskarten zu kleben waren, ohne deswegen Paket- oder Kartenmarke zu heißen, fiel mir schon damals als postalische Inkongruenz auf. Auch mußten wir uns immer sputen, weil die Post entweder gerade auf- oder bald wieder zusperrte. Daß drinnen alles so lange dauerte, leuchtete mir ein, sobald ich in die Gesichter der schwer ackernden Beamten sah. Schleierhaft aber blieb, warum die Post mit einem schlauen und schnellen Füchslein warb. Tranken Füchse Fusel? Schlau waren sie schon, zugegeben. Für ganz eilige Depeschen hatten sie ein eigenes Nachrichtenformat: das Telegramm. Eine surrealistische Mischung aus Kilogramm und Telefon. Es kostete, als ob es schwer wäre wie Blei, wurde aber durchs Telefon übermittelt. Das ist Geschichte. Telegramme versendet nur mehr Hermes, meine Tante lebt nicht mehr. Geblieben sind Gesichter und Öffnungszeiten.


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