Die Tante Grete ist tot

Nachruf: Vergangene Woche starb Grete Novak, die liebenswürdige Wirtin des Wiener Gmoa-Keller.


Florian Klenk
Stadtleben | aus FALTER 03/99 vom 20.01.1999

Wenn es spät wurde und ihre Schwester Mitzi mit einer riesengroßen Handtasche von Tisch zu Tisch "abkassieren" ging, war Grete Novak manchen Gästen besonders gewogen. Dann ging die Wirtin hinter ihre vollgerammelte Schank, zog aus dem Kühlfach einen Doppler Obstler heraus und goß ihn mit großem Schwung in viel zu kleine Stamperln. Sie fragte: "Willst ein Käs'brot?" und zauberte einen herrlich stinkenden Käselaib hervor. Für den Heimweg legte sie eine Packung Mannerschnitten auf den Tisch (die etwas mürb gewordenen, wie man sie früher als Kind von alten Tanten bekommen hatte).

Meinen letzten Obstler schenkte mir Grete Novak kurz vor Weihnachten ein. Frau Novak war soeben das Goldene Ehrenzeichen der Republik verliehen worden, das sie danach sogar am Stammtisch um den Hals trug. Sie war beschäftigt. Sie müsse für die "Buchenwalder", die KZ-Überlebenden, die hier jährlich ihre Weihnachtsfeier abhalten, die Tische schmücken. "Mir ist nicht gut", sagte sie beim Abschied. Sie

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