Der Einzeltäter

Seinesgleichen geschieht: Der Prozeß gegen Franz Fuchs stellt eine alte Frage neu: Warum wollen alle einen einzelnen als Täter?


Armin Thurnher
Vorwort | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Der Prozeß gegen den mutmaßlichen Briefbombenterroristen und Rohrbombenattentäter beginnt nächste Woche in Graz. Mittlerweile ist in der österreichischen Öffentlichkeit Common sense, was einst heftig umstritten war: Franz Fuchs ist ein Einzeltäter, ein Fall für den Psychiater, für die Anstalt geistig abnormer Rechtsbrecher. Das Wort "mutmaßlich" mutet im Zusammenhang mit ihm wie Luxus an.

Fuchs ist weitgehend geständig. Die Tötungsabsicht gesteht er zwar nicht, ebenso bestreitet er, Einzeltäter zu sein. Das hat aber wenig zu sagen, die Indizien gegen ihn sind, wie der Innenminister dem Parlament im Oktober 1997 berichtete, "erdrückend". Und der psychiatrische Gutachter Reinhard Haller attestiert: "Aus nervenfachärztlicher Sicht (...) ist er der geborene Einzeltäter."

Vorverurteilungen sind nicht nötig, das Urteil über Franz Fuchs ist bereits gesprochen. Wenngleich selbst der Innenminister die Mittäterschaft einer gefährlichen Gruppe zur Zeit seines Berichts nicht ausschloß.

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