LIF ohne Pfiff

Wahlkampf: Mit einem DIN-A4-"Papierl" will Wahlkampfstratege Gerhard Kratky die LIF-Funktionäre auf das Superwahljahr 1999 einschwören.

Politik | Gerald John | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Das Gewirr sieht aus wie ein Organigramm des Bank-Austria-Konzerns. Oder wie eines von Jörg Haiders Tugendterror-Netzwerken. Kompliziert und verworren. Bei genauerem Hinschauen kann man von dem DIN-A4-Blatt jedoch die Unverwechselbarkeit des Liberalen Forums ablesen. Meint zumindest LIF-Bundesgeschäftsführer Gerhard Kratky.

Wahlkampf beginnt damit, Funktionäre auf eine gemeinsame Linie einzuschwören. Oberstratege Kratky hat deshalb einen "Haltungs- und Themenkatalog" fabriziert, auf dem die liberalen Kampagnen für sämtliche sechs Urnengänge des Superwahljahres 1999 aufgebaut werden sollen. Vergangene Woche präsentierte der Schmidt-Intimus das Konzept auf 29,5 mal 21 Zentimetern den aufmüpfigen Wiener Parteimitgliedern.

Die wenig überraschenden Messages in den 14 verknüpften Kasteln: Das Liberale Forum ist für die "Schaffung von Arbeitsplätzen". Für einen "konkurrenzfähigen Wirtschaftsstandort Österreich". Und für "Bürokratieabbau". Aha. "Natürlich sind das Schlagworte", gibt Kratky zu: "In der Art, wie wir die Dinge lösen wollen, sind wir aber einzigartig." Als Beispiel nennt der Wahlkampforganisator das liberale Modell der Grundsicherung. Davon ist im Haltungs- und Themenkatalog allerdings keine Rede. Das laufe unter "sozialer Fairneß", sagt er.

Der technokratische Stil des Parteimanagers war bereits einige Male Anlaß für Kritik aus den eigenen Reihen. Erst vergangenen November attackierten Wiener Gemeinderäte "ihren" Bundesgeschäftsführer. Die Wiener beklagten unter anderem, daß Kratky in seinem Konzept auf das Frauenthema vergessen habe. Der Gescholtene reagierte prompt: Drei Tage später bereicherte ein Kästchen mit dem Schlagwort "Aktive Frauenpolitik" das Themen-Wirrwarr. Ob die revoltierenden Mandatare mit dem Wahlkampf-Konzept nun zufrieden sind? Marco Smoliner, schärfster Kratky-Kritiker: "Kein Kommentar."


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