Der digitale Aufsperrdienst

Entschlüsselung: Rund 100.000 Computer haben via "distributed.net" eine weitverbreitete digitale Verschlüsselung in 22 Stunden geknackt.

Medien | Hannes Stieger | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Entschlüsselungsfieber im Internet: Vor zwei Jahren benötigte man noch 96 Tage, um einen Schlüssel von 56 Bit Länge zu knacken. Vor einer Woche gelang dies in 22 Stunden.

Unzählige Computer arbeiteten zusammen, um diesen digitalen Schlüssel zu dechiffrieren. Koordiniert wurde die Blitzaktion von distributed.net, einem Haufen von Programmierern, die sich zum Ziel gesetzt haben, unbenützte Rechenzeit von weltweit verstreuten Computern zugänglich zu machen. Nicht weniger als 125.000 Computer haben deshalb ein Programm namens "rc5des" laufen, das all diese Rechner zu einem einzigen großen Supercomputer verbindet. Daß so etwas funktioniert, zeigt das Resultat: In Rekordzeit war besagter 56-Bit-Schlüssel geknackt, und distributed.net konnte 10.000 Dollar von RSA Data Security Inc. einstreifen, die das Preisgeld ausgesetzt hatten.

Pro Sekunde wurden dank verteilter Rechenaufgaben 250 Milliarden Kombinationen ausprobiert - wäre jede Kombination ein Blatt Papier, so hätte der gigantische virtuelle Rechner pro Sekunde 2500 Kilometer Papier ausgespuckt. Unterstützt wurde die Entschlüsselung von "Deep Crack", einem speziell für diese Aufgabe konstruierten Computer der Electronic Frontier Foundation. Ungeachtet dieses einmaligen Aufwands laufen seit Jahren größere Projekte (siehe www.distributed.net).

Bei den Entschlüsselungsprojekten steht allerdings nicht die Siegerprämie im Vordergrund, sondern das Aufzeigen der Sinnlosigkeit solcher Enkryptionen. Die 56-bit-DES-Verschlüsselung ist der Standardalgorithmus der US-amerikanischen Regierung. Auch österreichische Bankomaten arbeiten mit dieser Methode ...


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