Kommentar: Wien darf nicht das Burgtheater bleiben

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Frank Baumbauer ist nicht nur ein höchst kompetenter Theaterleiter, sondern auch ein brillanter Taktiker in eigener Sache. Als er im vergangenen Sommer bekanntgegeben hatte, über 2000 hinaus nicht mehr als Direktor des Hamburger Schauspielhauses zur Verfügung zu stehen, kam das insofern überraschend, als er damals keine Alternative in der Tasche hatte.

Vergangenes Wochenende konnte sich der Bayer (der ab heuer für das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele verantwortlich ist) aussuchen, ob er 2001 die Münchner Kammerspiele oder doch lieber das Deutsche Theater in Berlin übernehmen will. Um den Weg freizumachen, hatten die zuständigen Kulturpolitiker die Verträge mit den Langzeitintendanten Dieter Dorn (Kammerspiele) und Thomas Langhoff (Deutsches Theater) nicht verlängert.

Was im Kurier umgehend als Indiz für Ahnungslosigkeit und Gefühlskälte der heutigen Kulturpolitiker gegeißelt wurde, war tatsächlich bloß ein ganz normaler Vorgang. Man nennt es politische Entscheidung.


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