Bleich wie Schimanski/"23": Ein Hacker aus Hannover

Kultur | Drehli Robnik | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Verschwörungstheorien sind die alltagsmythologische Ergänzung zur Medieneuphorie. Der Glaube, daß "die Welt" unter Einwirkung von elektronischer Datenverarbeitung und kommunikativer Vernetzung immer durchschaubarer, verfügbarer und nachbarschaftlicher wird, hat sein Gegenstück in dem Verdacht, daß dieselbe Welt von unsichtbaren bzw. kaum erkennbaren Mächten gelenkt wird. Eine Prise solcher Verschwörungsängste mag helfen, den Blick auf den welt- und lebensumspannenden digitalen Kapitalismus zu schärfen. Der Erkenntniswert der Paranoia endet aber dort, wo nicht militärisch-industrielle Komplexe, sondern Freimaurer und andere "Geheimbünde" als konspirative Drahtzieher identifiziert werden; dann führt der New-Age-beflügelte Wunsch nach mystisch-simplen Erklärungen zur Minderheitenfeindlichkeit.

Hans-Christian Schmids Thriller "23" mobilisiert geschickt die dramatischen Potentiale der kulturellen Bilder von "Verschwörung" und "Vernetzung". Er rekonstruiert die letzten vier Jahre


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