Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Theater ist fad. Sagen die, die sowieso nie ins Theater gehen. Und vielleicht hatten sie noch nie so recht wie dieser Tage. Selten war das Wiener Theater produktiver als in der vergangenen Woche (sechs Premieren in sieben Tagen!), und selten war mir - jedenfalls in den vier Premieren, die ich gesehen habe - so fad wie diesmal.

Am unterhaltsamsten gelangweilt habe ich mich noch am Dienstag im Odeon, wo Drama Wien seine zehnte Produktion, "Auf des Messers Schneide", zeigte. Die Gruppe hat sich mit szenischen Themenabenden über menschliche Verhaltensweisen einen guten Namen gemacht, diesmal aber ein Thema (Entscheidungsschwäche) gewählt, das entweder nicht ergiebig genug ist oder nicht tief genug ausgelotet wurde. Wahrscheinlich trifft beides zu - das Ergebnis ist jedenfalls eine lockere Szenenfolge, deren Witz im Verlauf des Abends immer dünner wird.

Ja, ja, Entscheiden tut weh. Sollten Sie sich aber zwischen Drama Wien und dem Volkstheater entscheiden müssen, fällt die Wahl leicht. Dort ist nach dem Zwischenhoch im Frühherbst wieder ernüchternder Alltag ausgebrochen. Am Mittwoch hatte Dürrenmatts Mittelschul-Standard "Die Physiker" Premiere, und erst jetzt weiß ich es zu schätzen, daß meine Deutschlehrerin mich mit dieser "Komödie" verschont hat.

Nicht lachen konnte ich auch am Freitag im Vestibül des Burgtheaters, wo der deutsche Jungregisseur Christian von Treskow mit Alfred Jarrys Antiklassiker "König Ubu" sein Wien-Debüt gab. Die ambitionierte Inszenierung macht den Mitwirkenden sichtlich mehr Spaß als den Zuschauern; der schönste Gag ist das in Miniaturformat (55 x 35 mm) ausgeführte Programmbuch. Im Theater m.b.H. schließlich erlebte am Samstag die bulgarische Komödie "Flieg, Oberst, flieg!" von Christo Bojtschev ihre deutschsprachige Erstaufführung. Was die Parabel um einen Haufen Verrückter, der sich zur UN-Truppe erklärt, außerhalb Bulgariens komisch macht, wurde dabei nur ungenügend vermittelt. Bis zum Beweis des Gegenteils gilt: Theater ist fad.


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