Sie spielen nicht nur

Theater: Das Berliner Behinderten-Ensemble Ramba Zamba gastiert mit seiner "Medea"-Version in Wien.

Kultur | Eva Corino | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Medea hat sich schön gemacht und wartet auf ihren Geliebten. Aber Jason hat in der Stadt eine andere Frau kennengelernt und sich von Medea abgewendet. "Warum siehst du mich nicht, meinen Körper?" fragt sie und zieht ihr Kleid in die Höhe. "Meine Beine sind dick, aber ich habe doch einen Kirschmund und rotes Haar." Als sie zurückgestoßen wird, schreit sie, und diesen Schrei kann man kaum ertragen. Franziska, die geistig behinderte Medea-Darstellerin, legt ihre ganze Kraft in diesen Ausdruck. Bei den Proben blieb sie manchmal stumm, dann wieder wollte sie den Mund gar nicht mehr zumachen - bis sie plötzlich begriffen hatte: "Jetzt weiß ich, was Kunst ist! Man muß wissen, wann man anfängt zu schreien und wann man aufhört zu schreien."

"Medea - Der tödliche Wettbewerb" ist die jüngste Inszenierung der Theatertruppe Ramba Zamba, die schon auf großen Bühnen in Berlin, Dresden und Hamburg zu sehen war und nun erstmals in Wien gastiert. Verrat und Verlassenwerden sind Urerfahrungen


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