Mutterliebe, Sohnesliebe

Literatur: Die jungen Menschen von heute sind gräßliche Spießer. Na und? fragt Ralf Rothmann in seinem neuen Roman.

Kultur | Tobias Heyl | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Das Problem hat einen Namen: junge Menschen um die zwanzig. Von ihren vegetarisch-verkifften Eltern in Wohngemeinschaften gezeugt, rennen sie heute mit teuren Klamotten durch die Gegend und nerven bei Familienfeiern, wenn sie über Dow Jones und Dax schwadronieren. "Was sind das für Zeiten, in denen Eltern ihren Kindern sagen müssen, daß sie spießig sind", stöhnt denn auch Mutter Mary in Ralf Rothmanns Roman "Flieh, mein Freund!", obwohl ihr Sohn Louis über jeden Verdacht erhaben ist, allzuviel Energie in seine berufliche Zukunft zu investieren.

Louis, genannt Lolly, entspricht denn auch so gar nicht dem Bild des handyschwingenden Jungmannes, über den sich mittlerweile alle Witze erübrigen. Er ist lang und dürr, spricht mit einer Fistelstimme und versteckt seine Augen hinter dunklen Gläsern, weil er so entsetzlich schielt. In Berlin hat er einen Job, schlecht bezahlt zwar, aber immerhin. Und doch ist er der typische Sohn rebellischer Eltern, der sich nach nichts mehr sehnt als


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