Stadtrand: Lieber Chef!

Stadtleben | aus FALTER 04/99 vom 27.01.1999

Wenn du diese Zeilen liest, bin ich vermutlich schon auf den Seychellen. Urlaubsantrag wirst du keinen finden, den hab' ich nämlich gar nicht geschrieben. Vielmehr sollte dies hier wohl so eine Art Kündigung sein. Mittwochs haben wir ja noch nie besonders viel gearbeitet, da kann ich mich also in Ruhe auf die Lottoziehung vorbereiten. Dreifach-Jackpot, du verstehst?

Die Flugtickets liegen bereit, das bißchen Sommerkleidung, das man auf so karibischen Inseln braucht, ist auch schon gepackt, nur für die Fische muß ich noch jemanden finden.

Wenn du nun glaubst, daß ich etwas übereilt handle, weil schließlich die Wahrscheinlichkeit, den Jackpot zu knacken, eins zu irgendwie Millionen steht, muß ich dich eines Besseren belehren: Ich glaube an Gerechtigkeit. Und nachdem ich bereits so viele Millionäre finanziert habe, bin nun ich an der logischen Reihe. (Ganz abgesehen davon, daß der Tripple-Topf ein Ansatz wäre, mein Konto doch noch in diesem Leben auszugleichen.)

Der Geldplan liegt bereits seit langem bereit: Erst ausgedehnter Urlaub (das verstehst du doch), dann heftige Shoppingtour, dann kaufe ich dieses 200-Quadratmeter-Loft in der Hermanngasse, und dann lehne ich mich zurück und lasse mein Geld arbeiten.

Ich schau' mal wieder vorbei! S.N.


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