Heim ins Nichts

Ausländer: Der 18jährige Baris Keles wurde am 15. Jänner 1999 in die Türkei abgeschoben. Nach sechs Jahren Jugend in Wien. Seine "Heimat" ist ihm fremd geworden. Der "Falter" besuchte ihn "zu Hause".

Politik | Patrik Volf / Yerköy, Türkei | aus FALTER 05/99 vom 03.02.1999

"Die Erde, grau und tiefblau, rot und grün, mit ihren schroffen Felsen, Blumen, torkelnden Disteln, den Vögeln und weißen Wolken drehte sich in seinem Kopf, die Einöde um ihn hallte in seinen Ohren. Am liebsten wäre er aus ihr ausgebrochen."

Yasar Kemal, kurdischer Dichter Dichter Zigarettenrauch legt sich auf halber Höhe über das Zimmer. Schweigend sitzen die sechs Männer auf den Pölstern und atmen den Rauch ein, die Augen auf den weiten Kelim am Boden gerichtet. Auf dem Kanonenofen in der Mitte des Raumes brodelt Tee. Eine Viertelstunde, eine halbe Stunde vergeht. Für einen Moment wird die Ruhe von einem Wortwechsel durchbrochen. Dann bleibt wieder nur das Seufzen des Inhalierens.

"Jeden Abend ist es dasselbe. Sie sitzen so da, sagen nichts und starren vor sich hin. Kein Wort. Da drehst du noch durch." Der Blick von Baris Keles schweift anklagend durch die Runde, um dann wieder starr im Nirgendwo hängenzubleiben - auf der Suche nach einem Weg hinaus. Die Menschen im Inneren


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