Bedient: Jausengegner

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 05/99 vom 03.02.1999

"Es geht", sagt der WEGA-Offizier mit aufgeregter Stimme, "verdammt noch einmal um das Vertrauen innerhalb der Kompanie." Es wurde erschüttert. Seit einem Jahr verhandelt die Justiz den wiederholten Diebstahl einer Kompaniejause im Wert von 308 Schilling (der Falter berichtete). Die Nächte sind lang am Kommissariat. Darum haben die Beamten einen Versorgungskasten eingerichtet. In ihm ist die Kompaniejause versteckt. Jeder Beamte darf sich bedienen. Daneben hängt eine Abrechnungsliste, auf der die Entnahme von Müsliriegeln und Getränken eingetragen wird. Jahrelang hat dieses System funktioniert. Bis der Neue kam. "Amoi", erinnert sich ein Beamter mit dünnem, bis zum Kinn heruntergewachsenem Schurrbart, "hat er vier Dosengetränke 'trunken und zwa Schilling eingeworfen. Vier Bier um zwei Schilling! Des geht doch net!" Die Richterin wird stutzig: "Wos Burschen? A Bierli trinkts ihr?" "Nach dem Dienst", beruhigt der Beamte. Doch darum geht es hier nicht. Wochenlang hatte der Neue umsonst genascht. Der Versorgungskasten wurde zum Verlustgeschäft. Die Beamten wurden mißtrauisch und richteten mit 20 Mann einen Beobachtungsdienst ein, um den Neuen zu observieren. "Ich hab' da so Kaaszetteln, da steht alles genau drauf", sagt sein Kollege und zieht kleine Zetterln und eine Liste aus dem Hosensack. "Gott! Ihr seids Buchhalter, so schlamperte Burschen, da kennt sich ja keiner aus", seufzt die Richterin und wühlt in den Listen. "Wir sind ja a ka Buchhaltungsbetrieb", knurrt der Beamte. "Was sagen S' drauf", fragt die Richterin den Neuen. "Eine Intrige, weil ich so eifrig war." 8000 Schilling Strafe. Drei Tage Bedenkzeit.


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