Das Gesicht der Medien

Theorie: Mediale Gesichter werden inflationär. Über die Verwechslung von direkter und indirekter Kommunikation in den modernen Medien sprach der "Falter" mit dem Kulturphilosophen Thomas Macho.

Medien | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 05/99 vom 03.02.1999

Was bedeuten Gesichter in der Politik? Eine Frage, die sich im "Superwahljahr" 1999, in dem die Wähler voraussichtlich wieder mit einer Flut von Gesichtern überschüttet werden, geradezu aufdrängt. Daß die Bedeutung von Gesichtern in der Politik steigt, ist unumstritten, aber welche Gesichter eignen sich dazu, prominent zu werden? Dieses Gesicht kennt niemand, hieß es bei der Nominierung von Bundespräsident Thomas Klestil 1992. Eine Plakatoffensive half ihm dabei, die Wahl zu gewinnen. Liegt ein Teil seines Erfolgs nicht auch darin begründet, daß sein Gesicht fotogen ist, gut "kommt" in den Medien?

Thomas Macho, einer der renommiertesten und vielseitigsten österreichischen Kulturphilosophen, seit 1993 Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin, beschäftigt sich schon seit längerem mit der Wahrnehmung von Gesichtern und dem Zusammenhang von Sichtbarkeit und Macht. In seinem Essay "Von der Elite zur Prominenz" (Merkur 9/10 1993) definiert er Politik als


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