Seid ihr alle da?

Theater: Achim Freyer inszeniert "Die Eingeborene" von Franz Xaver Kroetz als Kasperltheater.

Kultur | WolfgangKralicek | aus FALTER 05/99 vom 03.02.1999

Das Schlimmste, was einer Frau passieren kann, ist ein Mann, der ihr helfen will. Nehmen wir zum Beispiel das Fräulein Elisabeth: Das Unglück fängt damit an, daß ihr ein hilfsbereiter Mann 150 Mark leiht; am Ende hilft sie sich selbst - indem sie ins Wasser geht. "Glaube Liebe Hoffnung" heißt dieses Stück; es ist eine der bekanntesten "Fräuleintragödien" des Ödön von Horvath und wird immer noch häufig gespielt.

Im Vergleich mit dem, was Irmi, die Heldin des neuen Stücks von Franz Xaver Kroetz, alles erdulden muß, ist Elisabeth noch einmal gut davongekommen. Der bayrische Dramatikerkraftlackel, der in den siebziger Jahren als Horvaths legitimer Erbe galt, hat in sein aktuelles Drama noch einmal alle Themen seines sozialkritischen Frühwerks - ungewollte Schwangerschaften, Sex in diversen Spielarten, körperliche Gebrechen usw. - gepackt. "Die Eingeborene" ist die Dixan-Version einer Fräuleintragödie: jetzt 3fach konzentriert.

Irmi (Maria Happel) hat das Pech, immer an den Falschen


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