Streifenweise

Kultur | aus FALTER 05/99 vom 03.02.1999

Nacht, einsame Straße, junge Frau im Auto allein unterwegs. Tankstelle, unheimlicher Tankwart, Ausschwingen und Schneiden. Jaja - so steht es im Drehbuch so manchen Konfektionsfilmes unter der Rubrik "Eröffnungsszene". Dann noch ein paar gefällige Parallelmontagen, teure Luftaufnahmen, originelle Schauplätze und eine Handvoll schauspielerisch eher ambitionsloser (TV-)Akteure. All das ergibt im Nu ein Werk, zum Beispiel mit dem Titel "Urban Legends" ("Düstere Legenden", Regie: Jamie Blanks), und damit den jüngsten traditionsbewußten Teenage-Slasher im Gefolge der "Scream"- und "I Know What You Did Last Summer"-Serien.

Auch unintelligente Filme vollziehen mitunter jedoch eine Mikro-Denkbewegung: "Urban Legends" enthält zum Beispiel ein kleines Kernchen Strukturalismus. Verdankt der Film doch seinen Titel und sein Ausgangsmotiv dem Studium "urbaner Mythen" (die Spinne in der Yuca-Palme usw.), deren sozialen Implikationen und ideologischem Gehalt; so darf es der Uni-Professor im Film wenigstens sagen. Daß die deutsche Synchronisation aus "urbanen" kurzerhand "düstere" Legenden macht, ist in diesem Zusammenhang fast schon ein weiteres Fallbeispiel für Mythenbildung.

Vor elf Jahren verstarb der Filmemacher, Filmhistoriker, Autor und Enzyklopäde Ernst Schmidt jr. Im Rahmen des "1. Ernst Schmidt jr. Filmfestivals für Avantgarde- und Experimentalfilm" (angekündigt als "polymorphe Eskapade in die Landschaft des unabhängigen Films") wird nunmehr im Kontext eines Wettbewerbs nicht nur ein Publikums-Preis mit seinem Namen verliehen, sondern es gelangen auch rund ein Dutzend seiner eigenen Arbeiten zur Wiederaufführung (HTU Wien, Cinestudio, 6.2., ab 15 Uhr).

I. R.


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