Die Furie der Kunst

Kunstgeschichte: Das, was ein Werk zum Kunstwerk macht, sei reine medienabhängige - Fiktion, meint Hans Belting in seinem neuen Buch "Das unsichtbare Meisterwerk".

Kultur | Iris Buchheim | aus FALTER 05/99 vom 03.02.1999

Der genial eingefädelte Skandal ist längst Legende geworden: Marcel Duchamp signierte 1917 ein simples Urinoir mit dem Pseudonym R. Mutt, gab ihm den schönen Titel "Fountain" und machte aus diesem Pissoir durch geschickte Mobilisierung und Instrumentalisierung der Medien ein museumsreifes Kunstwerk.

Kein Künstler hat so radikal die unscheinbare Herrschaft einer nirgends vereinbarten Idee der Kunst über den populären und avantgardistischen Kunstbetrieb bloßgestellt wie Duchamp. Ihm ist denn auch das brillanteste Kapitel in Hans Beltings neuer opulenter Erzählung gewidmet, die unter dem paradoxen Titel "Das unsichtbare Meisterwerk" genau dasselbe - leider aber viel verbissener - klarmachen will: Die Kunst, also das, was ein Werk zum Kunstwerk macht, ist eine reine Fiktion, über die keine endgültige Vereinbarung möglich ist und über die deshalb die Medien beliebig verfügen können. Belting hat schon vor Jahren "Das Ende der Kunstgeschichte" (1995) eingeläutet - jetzt präsentiert


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