Wenn der Pizzabote klopft

Literatur: David Sedaris ist ein Versager. Also schrieb er ein ziemlich komisches Buch über sich und seine Familie: "Nackt" wurde ein Bestseller und erscheint dieser Tage auf Deutsch.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 05/99 vom 03.02.1999

Wenn meine Mutter einkaufen ging, lungerte ich oft vor dem Laden herum. Ich hoffte, wohlhabende Eheleute würden mich in ihren Kofferraum stopfen."

Glaubt man den autobiografischen Geschichten, die in dem Band "Nackt" versammelt sind, dann wuchs David Sedaris in mäßig wohlhabenden Verhältnissen auf: "Anstatt ihren sozialen Status zu verbessern, zog sie es vor, Kinder auszuscheiden, jedes noch dreckiger als das davor", ist da über die Mutter des Ich-Erzählers zu lesen, und wenn die Äußerungen, die ihr in den Mund gelegt werden, einigermaßen authentisch sind, dann stand Mutter Sedaris ihrem Sohn in puncto Sarkasmus in nichts nach. Am Grabe ihrer Schwiegermutter etwa merkt sie ihren Kindern gegenüber - es wurden übrigens alles in allem sechs - trocken an: "Wenn ich so werde, möchte ich, daß ihr mich erschießt. Ohne Fragen zu stellen." Tatsächlich weicht die resolute, schlagfertige und offenbar auch ziemlich rauch- und trinkfreudige Frau selbst angesichts ihres bevorstehenden Krebstodes


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