Stadtrand: Ballkleider from Hell

Stadtleben | aus FALTER 05/99 vom 03.02.1999

Modeschöpfer sind Menschenhasser im allgemeinen und Frauenhasser im besonderen. Zu keiner Jahreszeit bestätigt sich diese Theorie nachhaltiger als in der Ballsaison. (Im Sommer vielleicht noch, aber das vernachlässigen wir jetzt einfach.) Daß diese mit dem Fasching zusammenfällt, muß, wenn nicht Bestimmung, dann zumindest grober Zufall sein. Schließlich ist der Fasching (neben der Adventzeit mit ihren schwachsinnigen roten Zipfelmützen) jene Zeit, in der sich der Mensch lächerlich machen kann, ohne daß man ihn auf offener Straße teilentmündigt nennen darf.

Ballkleider. Schwierig zu sagen, wem Fahrlässigkeit und wem Vorsatz unterstellt werden soll: dem Designer für den verbrecherischen Entwurf oder der Käuferin für die Aufgabe des letzten Bißchens an Geschmack. Rosa Tüllberge, blaue Spitzenkleider mit Schleppe (Schleppe!) - und was an weißen Debütantinnenwolken alljährlich verbrochen wird, stellt Birgit Saratas gesammelte Werke in den Schatten.

Den alten Prinzessinnen-Traum ausleben, sagen die Psychologen. Sich einmal im Jahr ordentlich aufputzen dürfen, sagen die Veranstalter. Mehr Spiegel in die Wohnungen, sagt der gute Geschmack. Und mehr Designer in Besserungsanstalten. Sagen die Menschenrechte. S.N.


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