Standpunkt: Abgeschafft

Politik | aus FALTER 06/99 vom 10.02.1999

Die beiden hatte ich ohnedies nie verstanden. Bei jeder Wahlkampagne war es das gleiche mit ihnen. Kein Protestaufkleber kam ohne sie aus. Politik war schlicht undenkbar ohne diesen sprachlichen Zwilling. Das allein war noch nicht schlimm genug. Sie verfolgten uns bis hinein in die bürgerliche Würdelosigkeit des Alltags. Dort hatten Zurückweisungen freundlich zu sein und wenn schon nicht das, dann zumindest höflich. Denn Höflichkeit muß schließlich sein in der Gesellschaft, sonst könnte ja die Unsitte einreißen, daß jeder sagt, was er sich tatsächlich denkt. Ein unhaltbarer Zustand. Die glatte Anarchie. Doch nach der vergangenen Woche wird alles anders sein. Ablehnungen werden wieder deutlicher ausfallen müssen, Positionen werden klar und unmißverständlich bezogen werden. Die Tage der entschuldigenden Beigebungen und pseudogutgemeinten sprachlichen Relativierungen sind gezählt. Das Konkrete wird wieder Einzug halten in die sozialpartnerschaftliche Konfliktlosigkeit des österreichischen Idioms. Franz Fuchs' Gerichtssaal-Geplärre hat es möglich gemacht. In Hinkunft wird am Marktstand die Antwort auf das lästige "Darf's ein bisserl mehr sein?" ein schlichtes, klares, unmißverständliches "Nein!" sein. Denn seit letzter Woche ist "Nein, danke!" abgeschafft. Und das ist gut so. P.V.


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