Bedient: Im Original

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 06/99 vom 10.02.1999

Fiakerfahrer und einbürgerungswillige Ausländer haben etwas gemeinsam. Sie dürfen nicht vorbestraft sein. Während Fiakerfahrer schon Österreicher sind, müssen Ausländer für die Staatsbürgerschaft erst den Segen der zuständigen Magistratsabteilung 61 einholen. Flüchtlinge bekommen diese Weihe in der Regel bereits nach vier Jahren, da sie der Staat nicht in ein Land zurückschicken will, in dem sie politisch verfolgt werden. Ein Beamter der MA 61 hatte Mühe, diesen Gedankengang nachzuvollziehen. Eines Tages erschien vor ihm ein kurdischer Flüchtling aus der Türkei. Seit Jahren gewährt ihm die Republik Asyl, weil sein Leben in der Türkei bedroht ist. Zurück traut er sich nicht. Pech gehabt: "Zur Klärung Ihrer Unbescholtenheit ersuchen wir Sie um Vorlage eines Strafregisterauszugs aus Ihrem Heimatstaat, ausgestellt von der Generaldirektion im Justizministerium im Original. Weiters ersuchen wir Sie, uns den Austritt aus Ihrem bisherigen Staatenverband nachzuweisen", bittet der Einbürgerungsbeamte. Der Kurde solle nach Ankara fliegen und im Justizministerium eine Bestätigung holen, daß er aus der Türkei geflohen ist, weil er Kurde ist. Im Original. Auch wenn ihn die türkische Justiz wieder zurückläßt, verliert er in Österreich damit seinen Flüchtlingsstatus. Denn Flüchtlinge, die in den Verfolgerstaat zurückkehren, gelten nicht mehr als Asylanten. Im Büro der zuständigen Stadträtin Brauner reagiert man betroffen: "Möglicherweise hat ein Beamter einen Fehler gemacht und etwas falsch angekreuzelt. Wir werden uns den Fall noch genauer ansehen." Hoffentlich auch den Beamten.


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