Verachtung

Thomas Bernhard Der vor zehn Jahren, am 12. Februar 1989, verstorbene Thomas Bernhard war der Sänger einer Lebens- und Menschenverachtung, die gerade unter der Regie Claus Peymanns das Publikum zu Selbstverhöhnung und reaktionärem Gelächter verführte.

Kultur | Marlene Streeruwitz | aus FALTER 06/99 vom 10.02.1999

Ich habe mit einem Polizisten gerauft. Nach langer Zeit wieder einmal. Wie bei den Demos in den frühen Siebzigern habe ich wieder das schwere, rauhe Tuch der Polizeiuniform gespürt. Und die Arme darunter. Die Arme, die meinen Begleiter gegen die Wand drückten.

Mein Begleiter hatte zum Polizisten gesagt: "So lasse ich nicht mit mir reden", weil der Polizist ihn in den Arsch getreten und ihn "Aufstehen!" im Kasernenhofton angeherrscht hatte. Auf das "So lasse ich nicht mit mir reden" hatte der Polizist meinen Begleiter statt einer Antwort sofort gepackt und ihn gegen die Wand gedrängt. Gleich. Ohne ein Wort. Ich begann am Polizisten zu zerren. Warf mich über die Arme des Polizisten, damit er von meinem Begleiter ablasse. Es sah nach einer ordentlichen Rauferei aus. Die beiden Männer schon fest ineinander verknotet. Ich hatte Hunger. Wollte essen gehen. Ich hatte keine Lust auf eine Nacht auf dem Revier. Protokolle und so. Und wie sie sich aufbauen vor einem und klarmachen, daß man/frau


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