Berliner Belehrungen

Literatur "Allerseelen", der neue Roman von Cees Nooteboom, ist eine große Erzählung über die Erinnerung und den Begriff der Geschichte. Und über eine unmögliche Liebe.

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 06/99 vom 10.02.1999

Dann gedenkt man den Seelen der Verstorbenen. Am 2. November. Darauf warten die Toten das ganze Jahr." Mit diesen Worten wird ein Fotograf aus Nicaragua am Ende des Buches einer Nicht-Katholikin erklären, was es mit Allerseelen auf sich hat.

Für Arthur Daane ist dieses Gedenken längst zum Alltag geworden. Der Protagonist von Cees Nootebooms neuem Roman ist niederländischer Dokumentarfilmer und lebt in Berlin. Vor einigen Jahren hat er seine Frau und seinen Sohn bei einem Flugzeugunglück verloren und widmet sich seither einem eigentümlichen Projekt: Er streift mit seiner Filmkamera durch die Straßen, schafft sich filmend Erinnerungshilfen, rettet Bilder vor dem Vergessen.

Weshalb er das tut, das wissen auch seine deutschen Freunde nicht wirklich - der Bildhauer Victor Leven, der Philosoph Arno Tieck und die russisch-stämmige Physikerin Zenobia Stein. Mit ihnen führt Daane bei Herrn Schultze und dessen deftiger deutscher Küche (Saumagen, Blut- und Leberwurst) nächtelange, bildungsballaststoffreiche


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige