Aufgeblättert

Kultur | Erwin Quirchmair | aus FALTER 06/99 vom 10.02.1999

Es gibt nur drei Wege, die aus White Falls, Montana, herausführen: der Highway, der Fluß und die Eisenbahngleise. Das sagen die Leute aus White Falls. Tatsächlich aber verläßt man dieses Kaff erst, wenn man tot ist. Das sagt die Mutter von Iona Moon. "Das zweite Gesicht des Mondes" zeichnet das beklemmende Bild einer Kleinstadt im hintersten Winkel des amerikanischen Westens, ein düsteres Panorama aus Alkoholismus, Inzest, Kindesmißbrauch und allem, was nicht nur am Land allzu gerne unter den Teppich gekehrt wird. Melanie Rae Thon, die in Boston Creative Writing studiert hat, erschafft in ihrem stilsicheren und dialogstarken Debüt eine eigentümliche Mischung aus hartem Realismus und zarter Poesie. Im Mittelpunkt steht das Mädchen Iona Moon, die White Falls entfliehen, nicht aber entkommen kann.

Der 1997 verstorbene Autor James Robert Baker verfaßte u.a. auch Drehbücher und Softpornos. Über seine Bücher schrieb der Spiegel, sie seien so "prall und bunt wie ein Kinderkreisel


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