Stadtrand: Narrt die Narren!

Stadtleben | aus FALTER 06/99 vom 10.02.1999

Nein, bitte, Fasching ist echt lustig. Soviel Gratis-Kino auf offener Straße bekommt man ja sonst nirgends.

Abends, gegen 19.30 Uhr, ist eine gute Zeit. Wenn man da ausführlich Straßenbahn fährt, hat man echt guten, sauberen Spaß für wenig Geld. Den kann man sogar noch verstärken, indem man die verkleideten Gestalten, denen man begegnet, mit so einem ganz leicht zweifelnden Blick, gemischt mit einem Hauch Mitleid, von oben bis unten mustert. "Drei Stunden vor dem Spiegel gestanden und Uhu ins Haar geschmiert - und dann schaut mich die in der U-Bahn so komisch an!" Ha!

Faschingsdienstag ist für Narrenverunsicherer ja überhaupt Großkampftag. Wenn sie sich beim Anker und auf der Bank so richtig verrückt herrichten dürfen, als Baby oder Playboy-Bunny. Dann geht der Profi hin (beispielsweise zu der Prinzessin hinter der dm-Kassa), legt den Kopf schief und sagt: "Warten Sie, ich hab's gleich: Ah, die böse Schwiegermutter, stimmt's?" Oder zur Irma LaDouce hinter der Wursttheke: "Sie gehen als Mausi Lugner, richtig?" Oder zur Vampirella in der Trafik: "Die Zähne, die Zähne ... Sonja Kirchberger?"

In wie vielen Wohnungen allerdings bereits mit Ärmeldehnungen a la Franz Fuchs begonnen wurde, werden wir wohl wirklich erst am Dienstag wissen. S.N.


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