Nachruf: Bernhard Frankfurter, 1946-1999

Stadtleben | aus FALTER 06/99 vom 10.02.1999

Ein schwerer Verlust für die Kulturszene, sagten die Offiziellen. Als wichtigen Autor und Kulturschaffenden bezeichneten ihn die Nachrufe. Was sich halt an verlegenen Phrasen gut macht. Den Leuten am Gürtel war der 53jährige zunächst unheimlich; was er so trieb, wußten sie nicht genau. Er hatte ein Projekt mit dem Arbeitstitel "Das Gürtelbuch"; 1999 sollte es fertiggestellt werden. Cineasten kannten Frankfurter als Drehbuchautor, Filmemacher und Regisseur im ORF; er gründete das Syndikat der Filmschaffenden Österreichs und kämpfte für Rechte von Filmemachern. Bis 1983 war er auch Vorsitzender des Verbandes der Filmregisseure Österreichs. Schriftstellern war er als Mitglied der Grazer Autorenversammlung geläufig, aber auch als Exilforscher und Dramatiker hatte er einen Namen ("Das Spiegelkabinett des Dr. Caligari - ein Melodram aus Wahn & Sinn", 1994 in Graz aufgeführt). Ehe er 1972 zum ORF ging, arbeitete Frankfurter beim eben gegründeten profil. Wer bereits 1968 in Wien war, erinnert sich an den Studentenpolitiker Frankfurter (was für ein Name, damals, zur Hochblüte der Frankfurter Schule!). Die von ihm 1966 in Graz gegründete Studentenpartei blieb auch in der 68er-Revolte eine Einmannfraktion. Daran hat sich bis zum Rechercheur am Gürtel wenig geändert. Am 2. Februar 1999 starb Frankfurter in einem Wiener Spital an einer Lungenentzündung infolge einer übergangenen Grippe.


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