Stalin statt Frühling

Musik Ein britischer Popstar fährt nach Wien, um bunte Bilder für sein Albumcover zu schießen - und kommt dabei zu unvorhergesehenen Ergebnissen.

Kultur | Robert Rotifer | aus FALTER 07/99 vom 17.02.1999

Neil Hannon, Sohn eines nordirischen, protestantischen Priesters, ist einer der letzten großen Dandys des britischen Pop. Wenn er sich in feines Geschmeide wirft, dann tut er das nicht aus billiger Ironie, sondern weil er die Pflicht eines Popstars verstanden hat, über die Banalität der eigenen Existenz hinaus zu denken: "Wenn du einen Anzug wie ich anhast", sagt Hannon, "bist du nicht du, sondern ein Mann in einem Anzug. Wenn ich mich gewöhnlich anziehe, bin ich kein sehr inspirierender Anblick."

Jemand, der sein mittlerweile zu einer ordentlichen Band erweitertes Soloprojekt The Divine Comedy (die göttliche Komödie) nennt, versteht ganz offensichtlich etwas von der Kunst der hemmungslosen Selbstinszenierung. Dementsprechend viel Mühe macht sich Hannon auch bei der Auswahl der Locations für die Coverfotos seiner perversen Pop-Operetten. Für "Liberation" (1993) posierte er in Heinrichs VIII. ehemaligen Jagdgründen im Londoner Richmond Park, für "Promenade" (1994) vor der Glaspyramide


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