Kunst Kurz

Kultur | Markus Wailand | aus FALTER 07/99 vom 17.02.1999

Watching Wiener Suburbs Industriebranchen haben schon längst das Interesse von Stadtplanern, Bauunternehmern und Immobilienhändlern geweckt - Verschubbahnhöfe und Frachthäfen stehen hier an erster Stelle, gefolgt von, etwas frei dazukombiniert, ehemals militärisch genutzten Flächen und Gebäuden. Bleiben noch die Fabriken: Daß sich aus diesen neben selbstverwalteten Kulturzentren auch (selbstverwalteter) Wohnraum gewinnen läßt, versucht der "Verein für integrative Lebensgestaltung" mit seinem Experiment Sargfabrik zu demonstrieren. Die Sargfabrik ist damit auch der ideale Schauplatz für "Peripherie im Fokus", einer von Roland Schöny konzipierten Reihe, deren Teilnehmer "neue Erkundungen an den Rändern der Stadt" vornehmen werden: "Im Zentrum steht die Frage, ob Baulücken und ausgefranste Ränder Chancen für neue Entwürfe bieten oder ob das Utopische längst mit der Abrißbirne erledigt wurde", soweit die Veranstalter.

Die erste Tranche des mehrteiligen Projekts geht am 5. März, 18 Uhr, in Szene, auf dem Programm stehen "besetzt versetzte Bilder" - eine Fotoausstellung von Margherita Spiluttini zum Abbruch der Gassergasse - sowie Videoprojektionen subkulturellen Aufbegehrens in Berlin, Wien und Zürich. Am Folgetag: Vortragsreihe (Johannes Zeininger, Georg Schöllhammer, Dieter Schrage, Wolfgang Pohrt, 15 Uhr), Diskussion (Moderation: Oliver Marchart, 20 Uhr), schließlich Konzert (21.30 Uhr). Die verheißungsvolle Arbeitsvorgabe der Combo mit dem Namen Fuckhead verweist gleichsam auf die soziologischen Implikationen urbanistischer Planspiele sowie deren mögliche Folgeeffekte: "Gewalthommage an die Endlösung Wohlfahrtsstaat" lautet die Parole. Für alle, die danach noch können und wollen, gibt es sonntags eine Busfahrt vom Depot zu ausgewählten Plätzen in den Suburbs von Penzing (begrenzte Teilnehmerzahl, gleich anmelden unter Tel. 214!53!97) sowie einen abschließenden Volxmusikabend im "Wohn- und Kulturheim Sargfabrik".


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