Stadtrand: Hasenfuß

Stadtleben | aus FALTER 07/99 vom 17.02.1999

Keine Ahnung, wann Ostern ist. Interessiert mich nicht. Anfang, Mitte Februar halten anständige Osterhasen Winterschlaf, der Mensch darf sich mit Dingen wie Semesterferien, Schneeschaufeln und Schneekettenkaufen beschäftigen. Eierbemalen genießt im Februar auf meiner Aktivitätenliste keinesfalls "Top-Top-Top-Priority", um mit Frank Stronach zu sprechen. Aber dem Osterhasen, der mich seit nunmehr zwei Wochen anbleckt, ist das so Wurscht wie das Programm von Viva 2. Der will zu mir. In meinen Einkaufswagen. Deswegen sitzt er in Kompaniestärke im Supermarkt und setzt durch sein Vorhandensein das Raum-Zeit-Kontinuum außer Kraft. "Osterhase, du bist ein Fruchtbarkeitssymbol", sage ich ihm, "du hast im Februar nichts verloren." Der Hase grinst billig. "Osterhase, verpiß dich, keiner vermißt dich", pfauche ich. Die Frau neben mir ergibt sich dem Greinen ihres Kleinen und kauft. "Keine Ahnung, wie der bis Ostern überleben soll", seufzt sie.

Gestern wurde ich bekehrt. Ich habe einen Hasen gekauft. Bin ich ein Büttel des Kalenders? Weihnachten beginnt schließlich auch im Oktober. Datumsdemokratie statt saisonbedingten Schokofigurenjochs! Wahre Freiheit ist, wenn Nikolo und Osterhase Seite an Seite im Regal stehen. Das wird schön. T. R.


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