Überblendende Zeiten

Diavorträge Wie jeden Winter ist die Stadt wieder zugepflastert mit Hochglanzplakaten, die Diashows über Traumziele ankündigen. Technisch perfekt ausgerüstet, wecken Profitouristen mit technisch perfekten Bildern die Reiselust - und klammern Authentizität weitgehend aus.

Stadtleben | Günter Spreitzhofer | aus FALTER 07/99 vom 17.02.1999

Typisch bei denen, faules Pack", erweist sich Karl Powondra als geeichter Kenner der Anden. Der Saal kochte, als vor einigen Wochen die lateinamerikanische Unzuverlässigkeit der Träger ans gleißende Licht der Diaprojektoren kam. Powondra entstammt der Meidlinger Vorstadt und kennt die Welt von Gran Canaria bis Grado. Trotzdem besucht er regelmäßig die abendliche Universität. Doch ihm und den dreihundert anderen in der Warteschlange vor dem Audimax geht es um Bilder statt Bildung. Sie warten auf Dias. Auf "mitreißende Diashows" in "brillanter Großbildprojektion", wienweit angepriesen auf reißerischen Hochglanzplakaten.

Konventionelle Diavorträge haben längst ausgedient - ohne aufwendige High-Tech-Show ist auf dem Wiener Vortragsmarkt kein Staat mehr zu machen, geschweige denn Geld. Jedes Jahr werden von November bis April allein im Audimax dreimal wöchentlich Geräte aufgebaut, die den heimatlichen Urlaubsdiaabend in die technische Steinzeit verbannen. Hasselblad Highlights. Leicavision.


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