Fernsehen

Andrea(S) Dusl | Medien | aus FALTER 08/99 vom 24.02.1999

Gute Serien sind so geschrieben, daß das Versäumen einzelner Folgen das Verständnis des Plots kaum beeinträchtigt. Gute Serien, die über mehrere Jahre gedreht werden, bekommen aber naturgemäß so etwas wie einen chronologischen Drall. So geriet Al Bundy, dem Chicagoer Schuheinzelhandelskaufmann mit der schrecklich proloiden Familie, Söhnchen Bud (trotz Behandlung mit wachstumshemmenden Hormonen) irgendwann in die Pubertät. Töchterchen Kelly wiederum, liebevoll Dumpfbacke genannt, entwickelte sich ohne Steigerung der Erkenntnisfähigkeit vom blonden Girlie zur reifen blonden Frau. Nachbarin Marcy wechselte Ehebett-technisch vom Italian Stallion Steve zum Hansi Hinterseer von Illinois, dem Frisurkörper Jefferson. Und sogar Al selbst veränderte sich über die Jahre: Sein Haupthaar begab sich im Laufe der Serie auf die Reise von marginal schütter zu deutlich leicht glatzig. Kleine Veränderungen, die wir liebgewonnen haben. Kleine Veränderungen, an die wir uns gewöhnt haben. Kleine Veränderungen, die der chronologische Drall so mit sich bringt. Kein Grund aber, Al Bundy mutwillig zu dechronologisieren.


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