Spielplan

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 08/99 vom 24.02.1999

Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen, selbst wenn sie schon tot sind, verlangt nach Ironie. Wer möchte allen Ernstes eine Schauspielerin als Maria Callas auf der Bühne sehen? Na gut, schlechtes Beispiel. Trotzdem: Warum Nicole Ansari als Romy Schneider? Alles, was man Am Plafond des Volkstheaters über Romy erfährt, kann man genausogut in der Biografie von Alice Schwarzer nachlesen. "Romy, ich ... oder Die doppelte Umarmung", von Jale Maria Gönenc und Nicole Ansari zusammengestellt, ist ziemlich dünn motiviert: ein gefundener Brief der jungen Romy, ein Chanel-Kostüm - und schon sollen wir glauben, daß wir es mit der Schneider zu tun haben, die uns als Fremdenführerin durch ihr turbulentes Leben schleift. Doch mal ehrlich, warum sollte sie das tun? Eben.

Genauso blöd klingt jene Geschichte, die sich der Kino-Komiker Steve Martin für sein 1994 erschienenes Theaterstück "Picasso im Lapin Agile" ausgedacht hat: 1904 treffen Albert Einstein und Pablo Picasso in einer Pariser Kneipe aufeinander, zwei junge Genies, die die Wahrnehmung unserer Welt verändern werden. Seltsamerweise stört weder der haarsträubende Plot noch der konkrete biografische Hintergrund. Martin spielt gekonnt mit den in unserem Jahrhundert relativ gewordenen Blickwinkeln auf die Welt als solche und die Kunst im speziellen. Im Rabenhof allerdings werden die Gesetze der Josefstadt-Schwerkraft nicht außer Kraft gesetzt. Das Bühnenbild ist phänomenal unwitzig, und auch bei den Kneipengästen hat sich noch nicht herumgesprochen, daß untertreiben witziger sein kann als auf die Pauke hauen. Trotzdem ist man froh, dabeigewesen zu sein. Erstens wegen Martin Zauner als Einstein, zweitens wegen Dennis Jale. Wenn der Elvis-Imitator am Schluß einen Song nach dem anderen schnulzt, dann glaubt man gerne, daß alles relativ ist. Sicher aber scheint: Elvis lebt.


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