Kartoffelauferstehung

Lichtenberg 200 Jahre nach seinem Tod ist Georg Christoph Lichtenbergs Werk immer noch subversiv witzig und gerne auch mal schlüpfrig.

Kultur | Oliver Hochadel | aus FALTER 08/99 vom 24.02.1999

Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung." Dieser Spruch stammt nicht von einem Kolonialismuskritiker des 20. Jahrhunderts, sondern von einem Physikprofessor des 18. Außerdem ist es kein Spruch, sondern ein Aphorismus und als solcher Literatur. Und weil Georg Christoph Lichtenberg der Meister dieser Gattung ist, erscheint anläßlich seines 200. Todestag am 24. Februar so manche Werkauswahl. Robert Gernhardt hat gleich zwei von ihm selbst illustrierte Sammlungen herausgegeben: "Krokodile im Stadtgraben" und "Unsere Erde ist vielleicht ein Weibchen". Gernhardt und Lichtenberg sind ein köstliches Gespann. Dem Mitbegründer der Satirezeitschrift Titanic gelingt es, die Sudelsprüche des Aufklärers kongenial ins Bild zu setzen, dessen Witz in die Gegenwart zu transponieren. Neben Spießern, Engeln, Teufeln und der halben Arche Noah kommt in seinen Zeichnungen auch die Knollenfrucht zu ihrem Recht: Lichtenbergs Satz "Da liegen nun die Kartoffeln und


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