Diktatur der Deprimisten

Literatur In Frankreich sorgt Enfant terrible Michel Houellebecq schon seit ein paar Jahren für Diskussionen. Jetzt ist seine Abrechnung mit einer auf Sex und Karriere fixierten Gesellschaft auch in deutscher Übersetzung zu lesen.

Kultur | Edgar Schütz | aus FALTER 08/99 vom 24.02.1999

Es ist wohl ein Phänomen des Literaturmarkts, daß manche Auseinandersetzungen selbst in Zeiten des Klammeraffen (@) an verschiedenen Orten mitunter mit jahrelanger Verzögerung stattfinden. Während im Herbst 1998 auch Michel Houellebecqs zweiter Roman "Les particules elementaires" in Frankreich wieder gehörig Staub aufwirbelte, kommt bei Wagenbach gerade sein bereits 1994 umstrittener Erstling "Ausweitung der Kampfzone" ("Extension du domaine de la lutte") heraus. Dieser deutete freilich schon an, um was es dem 1958 geborenen Autor geht: um Sex. Wer nun Erotik erwartet, kann gleich zuklappen. Schließlich hat der namentlich nicht näher genannte Protagonist, der als junger Informatiker für eine Pariser Software-Firma arbeitet, schon seit zwei Jahren mit niemandem mehr geschlafen. Noch schlimmer steht es um seinen mäßig attraktiven Kollegen Raphael Tisserand, den man den Software-Vertreter schon von weitem ansieht. Und obwohl er keinen Versuch unterläßt, mit dem Loser-Charme bei


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