Eine Kopfgeburt auf Reisen

Literatur Der italienische Bestsellerautor Alessandro Baricco schickt einen mit Kitsch und Bedeutung beladenen Ozeandampfer auf große Fahrt.

Kultur | Iris Buchheim | aus FALTER 08/99 vom 24.02.1999

Wer käme bei "Novecento. Die Legende vom Ozeanpianisten" nicht ins Träumen? Musik, 1900, Luxusdampfer (Titanic?), endlose blaue Weite, Aufbruch zu neuen Welten. Baricco spielt nur mit solchen schlichten Assoziationen, um eine andere Geschichte zu erzählen. Novecento ist keine Zahl, sondern ein Mensch, benannt nach dem Jahr, in dem er - unterwegs nach Amerika - auf der Virginian geboren, ausgesetzt und gefunden wurde. Da der Fundort ein Klavier ist, wird aus Novecento ein Pianist, eine Legende. Denn er bleibt, weil ihm die Welt so entsetzlich endlos scheint, zeitlebens auf seinem Schiff. Dort spielt er auf der "endlichen Klaviatur" unendliche "Töne aus dem Jenseits". Und wenn das Schiff nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gesprengt worden wäre, spielte er immer noch.

Diese 1994 als Bühnenstück konzipierte Legende verquickt das verführerisch Märchenhafte von Bariccos Roman "Seide" mit der ausufernden Phantasie, die im "Land aus Glas" überall das Geheimnisvolle, Verschlossene herbeizaubert,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige