Staatsgrenzen antasten!

Kommentar: Die Balkankrise muß in einem großen Wurf angegangen werden, Flickwerk ist keine Lösung. Ein Vorschlag.


Raimund Löw
Vorwort | aus FALTER 09/99 vom 03.03.1999

Von der unabhängigen Justiz bis zur albanischen Polizei umfaßt der internationale Kosovo-Autonomieplan der Weltmächte so ziemlich alle Bestimmungen einer mustergültigen nationalen Selbstverwaltung. In den Tagen nach dem enttäuschenden Ende der Konferenz von Rambouillet sieht es eher nach einer neuen Runde kriegerischer Auseinandersetzungen aus. Aber im Endeffekt könnte der amerikanisch-europäische Entwurf schließlich doch noch unterzeichnet werden. Ein Schönheitsfehler wird jedoch bleiben: Grundbedingung für die Zustimmung zum Abkommen durch die beiden Kriegsparteien ist deren diametral entgegengesetzte Interpretation desselben. Während die Albaner die Autonomie als entscheidenden Schritt in Richtung Unabhängigkeit sehen, soll deren Selbstverwaltung laut Kontaktgruppe Serbien die staatliche Integrität Jugoslawiens dauerhaft garantieren.

Die Wirklichkeit spricht für die albanische Interpretation: Nach zehn Jahren erbittertem Widerstand gegen die serbischen Zentralbehörden würde

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