Ein allzu tapferes Herz

Politisches Buch: Nazi-Redakteur, ÖVP-Karriere, Goldenes Ehrenzeichen der Republik: Der 1992 verstorbene Journalist Manfred Jasser war unbelehrbar, aber anerkannt. Ein Wiener Journalist veröffentlicht nun dessen Biografie und schildert eine typisch österreichische Karriere.

Politik | Nina Weissensteiner | aus FALTER 09/99 vom 03.03.1999

Er war der Standhafteste von allen. Nicht nur am 7. April 1945, sondern auch danach: An jenem geschichtsträchtigen Ostersamstag rollten die Soldaten der Roten Armee mit ihren Panzern über den Matzleinsdorfer Platz zum Südbahnhof. Die Schlacht um Wien war verloren, die Sowjets drangen bereits in die östlichen und südlichen Vorstadtbezirke Wiens ein. Wer seine Haut retten wollte, schwenkte weiße Fahnen oder verhielt sich unauffällig. Nur einer hämmerte in seinem Luftschutzkeller am Fleischmarkt unbeirrt mit Feuereifer in die Tasten. Im Redaktionsgebäude des Ostmärkischen Zeitungsverlages wollte er die Bevölkerung doch noch vom "Endsieg" überzeugen: Schriftleiter Manfred Jasser.

Die Durchhalteparole, die der "Schriftleiter" (so der streng germanisierte Nazi-Terminus für den journalistischen Berufstand, Anm.) damals zu Papier brachte, ist das letzte publizistische Dokument, das die Nationalsozialisten in Wien hinterließen. - Ein Stück Zeitgeschichte, das den Wiener Journalisten


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