"I hate these words"

Nachruf: Keiner kommt hier lebend raus: Zum Selbstmord der jungen englischen Dramatikerin Sarah Kane.

Wolfgang Kralicek | Kultur | aus FALTER 09/99 vom 03.03.1999

I write the truth and it kills me.

Sarah Kane: "Crave" Liebe kann wie Dachau sein. In seinen "Fragmenten einer Sprache der Liebe" vergleicht der französische Philosoph Roland Barthes die Situation eines unglücklich Verliebten mit der eines KZ-Häftlings; in ihrem Stück "Gesäubert" ("Cleansed", 1998) setzt die englische Dramatikerin Sarah Kane diese skandalöse These auf ebenso skandalöse Weise um: Das Stück spielt auf einem zum Gefängnis umfunktionierten Uni-Campus, wo eine Art KZ-Arzt namens Tinker über Leben und Tod entscheidet. Wie in den meisten Kane-Stücken kommt es dabei zu Exzessen körperlicher Gewalt: Gliedmaßen werden von Körpern getrennt; Zungen, Brüste und Geschlechtsteile werden abgeschnitten.

Die Gewalt wird bei Sarah Kane aber nicht als dramaturgischer Spezialeffekt eingesetzt, sie ist nur die konsequente Fortführung dessen, was gesagt wird. Der grausame Tinker tut nichts anderes, als die Menschen beim Wort zu nehmen. Wenn jemand sagt, daß er für den

Abo hier bestellen Abo hier bestellen
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl und erhalten Sie sofort einen Digitalzugang, um Artikel kostenfrei zu lesen.
Wenn Sie kein FALTER-Abo haben, können Sie diesen Artikel hier einzeln kaufen, als neuer Nutzer kostenfrei mit Startguthaben.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige